{"id":1469,"date":"2007-11-21T11:04:15","date_gmt":"2007-11-21T11:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.twofamilyarchives.com\/derschmidt\/?p=1469"},"modified":"2018-07-27T11:17:56","modified_gmt":"2018-07-27T11:17:56","slug":"deutsch-malmoe-21-11-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/2007\/11\/21\/deutsch-malmoe-21-11-2007\/","title":{"rendered":"MALMOE 21.11.2007"},"content":{"rendered":"<p><b>Nicht auf Neutralem Boden<\/b><\/p>\n<p><i>Tage des israelischen Dokumentarfilms in Wien &#8211; ein Interview<\/i><\/p>\n<p><b>Ende November<\/b> finden in Wien die israelischen (Dokumentar-)Filmtage statt. Unter Bezugnahme auf den 60. Jahrestag der Staatsgr\u00fcndung Israels wartet ein Programm, das sich zum Ziel gesetzt hat, ein komplexeres Bild vorstellbar zu machen, als hierzulande aus der Medienberichterstattung gew\u00f6hnt. Was mit dieser Komplexit\u00e4t gemeint ist, wollte MALMOE im Interview wissen.<\/p>\n<p><i>Was hat euch bewogen, die israelischen Filmtage in Wien zu organisieren?<\/i><\/p>\n<p>Bewogen hat uns die unertr\u00e4gliche Differenz zwischen der (den) in Israel tats\u00e4chlich erlebten Situation(en) und der in \u00d6sterreich unertr\u00e4glich abgeflachten und dabei politisch extrem aufgeladenen Diskussion. Doku-Filme zu zeigen, ist uns eine gute M\u00f6glichkeit, ein komplexes Bild zu zeichnen und vielleicht einen Beitrag zu ein bisschen weniger Dumpfbackigkeit zu leisten.<\/p>\n<p><i>Welchen Stellenwert hat die Zusammenarbeit mit j\u00fcdischen Organisationen in Wien f\u00fcr euch?<\/i><\/p>\n<p>Wir kooperieren mit dem in Wien etablierten j\u00fcdischen Filmfestival. Sie unterst\u00fctzen uns und dies hat f\u00fcr uns einen sehr hohen Stellenwert &#8211; vor allem, da wir uns politisch sehr \u00e4hnlich sind und das ist heute in dieser Frage etwas ziemlich besonderes und inspirierendes. An dieser Stelle danken wir Doron Rabinovici sehr f\u00fcr die \u201eZusammenf\u00fchrung\u201c, er unterst\u00fctzt uns vor allem auch mit kritischen Kommentaren, was sehr hilfreich ist. Aber er ist wohl keine Organisation, oder? Im Klartext meint das: Uns geht es weniger um das Label \u201ej\u00fcdisch\u201c, sondern um interessante Hinweise. Unsere Netzwerkarbeit in jede Richtung ist ohnehin eine, die mehr auf pers\u00f6nlichen Kontakten aufbaut und inoffiziell passiert. Allerdings war es uns von Anfang an wichtig, einen Kompass aus j\u00fcdischer Sicht zu haben, um der eigenen Antisemitismusfalle zu entgehen.<\/p>\n<p><i>Wie bezieht ihr euch auf den lokalen Kontext hier in Wien und auf die starken antisemitischen Kontinuit\u00e4ten, die es hier nach wie vor gibt? Ihr habt bei der Filmauswahl und der Vorbereitung des Filmtage mit Partnerinnen, v.a. befreundeten linken K\u00fcnstlerInnen aus Israel zusammengearbeitet. Wie w\u00fcrdet ihr das Verh\u00e4ltnis zwischen deren oppositionellem Tun in Israel einerseits und den Schwierigkeiten, die Linke hierzulande mit ihrem eigenen Antisemitismus nach wie vor haben, beschreiben?<\/i><\/p>\n<p>Zum lokalen Kontext in Wien: Das war und ist uns etwas ganz wichtiges, immer wieder zu sagen und zu zeigen, dass wir das hier nicht auf neutralem Boden machen, sondern, wie du sagst, am Boden der T\u00e4terInnen des Nationalsozialismus. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese Kontextualisierung herzustellen, also einen Rahmen zu schaffen, in dem es auch m\u00f6glich ist, kritische Stimmen aus Israel in einem historisch so aufgeladenen Ort wie \u00d6sterreich zu zeigen. Die Programmvorschl\u00e4ge selber kamen vor allem von unseren israelischen PartnerInnen. Wir sehen diese Aufgabenteilung als sinnvoll an, weil wir so nicht nur \u201eThe Best of Dokumentarfilm\u201c von Israel nach Wien bringen, sondern das, was unter unseren israelischen FreundInnen diskutiert wird und an politische Diskussionen vor Ort andockt. Um Namen zu nennen, die Co-KuratorInnen waren der K\u00fcnstler <a href=\"http:\/\/regiowiki.at\/wiki\/Tal_Adler\" rel=\"nofollow\" target=\"_blank\">Tal Adler<\/a> und das K\u00fcnstlerInnenkollektiv \u201ebarbur\u201c, namentlich Mascha Zusman. Den zweiten Teil der Frage verstehe ich nicht wirklich: Meinst du, dass das oppositionelle Tun unserer FreundInnen in Israel sich mit hiesigen Antisemitismen der Linken decken k\u00f6nnte? Prinzipiell ist ja nicht jede Aktivit\u00e4t der genannten K\u00fcnstlerInnen oppositionell in dem Sinne, dass es um \u201eden\u201c einen Konflikt geht. Ihr werdet es in den Filmen merken: Es gibt ganz unterschiedliche Themen, die Linke in Israel besch\u00e4ftigen, so wie vermutlich \u00fcberall anders auch. Die israelischen Linken mit denen wir arbeiten, haben ehrlich gesagt am Antisemitismus der \u00f6sterreichischen Linken sehr wenig Interesse, weil es schlicht so viele anderen Themen und Probleme hier in Israel gibt.<\/p>\n<p><i>Welchen politischen Anspruch verfolgt ihr diesbez\u00fcglich mit den Filmtagen?<\/i><\/p>\n<p>Die Frage, ob wir mit den Filmtagen auch eine Differenzerung der Diskussion zu \u201eAntisemitismus in der Linken\u201c in \u00d6sterreich anstreben, k\u00f6nnen wir vorsichtig mit \u201eja\u201c beantworten. \u201eVorsichtig\u201c deshalb, weil wir erstens keine \u201einnerlinke\u201c Veranstaltung machen und uns der linke Diskurs nicht Hauptfokus ist. Und auch, weil wir nat\u00fcrlich nicht von \u201edrei Tage Dokumentarfilme ansehen\u201c eine \u00c4nderung eines Szene- Habitus erwarten. Aber im Grunde denken wir doch, dass wir hier Basis f\u00fcr eine echte Auseinandersetzung schaffen k\u00f6nnen. Wir dachten das immer in einer Schleife: Eine Auswirkung des Antisemitismus in der Linken ist, dass jene Linke die versucht haben, hier etwas sensibler zu sein, eine regelrechte Ber\u00fchrungsangst mit Israelischen Linken entwickelt haben. Klassisch linke Themen wie Staatsrassismus etc. werden, sobald es um israelische Zusammenh\u00e4nge geht, einfach nicht mehr angesprochen, vermutlich aus Angst, hier in eine Antisemitismus-Falle zu tappen. Auf den Reflex der einen, ungefragt \u201ePal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t\u201c zu machen, folgt der Reflex der Anderen, so etwas wie eine \u201eIsrael-Solidarit\u00e4t\u201c auszurufen und beides hat recht wenig mit den dort lebenden Menschen und ihren Versuchen, mit den historischen Vorgaben und Br\u00fcchen umzugehen, zu tun. Ein Ergebnis des tiefsitzenden Antisemitismus hier ist Auseinandersetzungsverweigerung, keine gute Grundlage f\u00fcr \u201eSolidarit\u00e4t\u201c, vorausgesetzt ich meine diese mit wirklichen Menschen und nicht mit einer abstrakten Idee eines j\u00fcdischen Staates, der besser sein sollte als alle anderen. Also, als Werbekampagne f\u00fcr das Denken in Widerspr\u00fcchen k\u00f6nnten die Filmtage dienen.<\/p>\n<p><b>Israel in den Augen&#8230;<br \/>\n&#8230;lokaler FilmemacherInnen<br \/>\nTage des israelischen Dokumentarfilms<br \/>\n23-25. Nov 2007 im TOP-Kino<\/b><\/p>\n<p>Kuratiert vom rites-institute (<a href=\"https:\/\/www.derschmidt.com\">Friedemann Derschmidt<\/a> und Karin Schneider)<\/p>\n<p>Co-KuratorInnen: <a href=\"http:\/\/regiowiki.at\/wiki\/Tal_Adler\" rel=\"nofollow\" target=\"_blank\">Tal Adler<\/a> und barbur Studio \/ Jerusalem in Zusammenarbeit mit der j\u00fcdischen Filmwoche und dem TOP Kino gef\u00f6rdert von Wien Kultur MA 7 und der Kulturabteilung der israelischen Botschaft<br \/>\nDas genaue Programm ist hier zu erfahren:<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnung: Do., 22. November mit \u201eShalom Abu Bassem\u201c ; 73 min, IL 2004, R: Nisim Mossek. Der Filmemacher wird anwesend sein.<\/p>\n<p><small>online seit 21.11.2007 15:49:25 (Printausgabe 39)<br \/>\nautorIn und feedback : <a href=\"mailto:redaktion@malmoe.org\">Interview: Katharina Morawek<\/a><\/small><\/p>\n<p><small>Links zum Artikel: http:\/\/malmoe.org\/artikel\/widersprechen\/1520\/23<br \/>\n<\/small><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht auf Neutralem Boden Tage des israelischen Dokumentarfilms in Wien &#8211; ein Interview Ende November finden in Wien die israelischen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1472,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[38,47,2],"tags":[274],"class_list":["post-1469","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-myour-filmfestival","category-pressreview","category-print","tag-israel-in-den-augen-lokaler-filmemacherinnen"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pdXCWQ-nH","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[{"id":1687,"url":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/2007\/11\/22\/oy-vienna-copy-copy\/","url_meta":{"origin":1469,"position":0},"title":"Israel in den Augen&#8230;","author":"derschmidt","date":"Thursday, der 22. 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