{"id":2597,"date":"2020-11-13T14:56:22","date_gmt":"2020-11-13T13:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.derschmidt.com\/?p=2597"},"modified":"2020-11-13T14:59:34","modified_gmt":"2020-11-13T13:59:34","slug":"offener-briefwechsel-mit-der-osterreichischen-botschafterin-in-bogota-kolumbien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/2020\/11\/13\/offener-briefwechsel-mit-der-osterreichischen-botschafterin-in-bogota-kolumbien\/","title":{"rendered":"offener Briefwechsel mit der \u00f6sterreichischen Botschafterin in Bogota \/ Kolumbien"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-purple-color\">Am 1.11.2020 um 18:00 schrieb&nbsp;Marianne FELDMANN:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Sehr geehrter Herr Derschmidt, ich stimme Ihren \u00dcberlegungen vollkommen bei. Meine Antwort hat sich verz\u00f6gert, weil ich nicht ohne einen konkreten Schritt zu Ihnen zur\u00fcckkommen wollte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Gemeinsam mit dem Herausgeber der 2. Edition von Miradas Cruzadas haben wir entschieden, dass diese ohne Verweis auf Reichel erscheinen wird. Es handelt sich um eine Jubil\u00e4umsausgabe zum 100. Jahrestag der Anerkennung der Republik \u00d6sterreich durch Kolumbien.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Das Buch wird voraussichtlich Ende November in der kolumbianischen Staatsdruckerei gedruckt. Die Botschaft wird Ihnen ein Exemplar zukommen lassen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Meine Zeit in Kolumbien geht mit heutigem Tage zu Ende. Mein Nachfolger, Dr. Gerhard Doujak, liest mich cc. und ist \u00fcber Ihre beiden offenen Briefe voll informiert.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Mit besten Gr\u00fc\u00dfen<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">\u00d6sterreichische Botschaft Bogot\u00e1<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Mag. Marianne FELDMANN<\/span><\/strong> <span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Botschafterin<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-purple-color\">Am&nbsp;26.10.2020 21:55 schrieb <a href=\"https:\/\/www.derschmidt.com\">Friedemann DERSCHMIDT<\/a><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Frau Botschaftzerin Feldmann,<br>hiermit nehme ich den heutigen Nationalfeiertag zum Anla\u00df Ihnen auf Ihr letztes email zu antworten. Es tut mir sehr leid, aber ich kann auch diese Antwort nicht einfach so stehen lassen.Es scheint mir, das es hier ein gr\u00f6beres Missverst\u00e4ndnis dar\u00fcber gibt, wovon wir hier reden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Erstens: Es geht hier nicht um mich und ob ich mich wertgesch\u00e4tzt f\u00fchle oder nicht! Es geht auch nicht um Sie Frau Feldmann! Es geht hier nicht einmal so sehr nur um den Herrn Erasmus Gerardo Reichel-Dollmatoff und seine Verbrechen in Abw\u00e4gung zu seinen akademischen Leistungen. Hier geht es um die Rolle, die der \u00d6sterreichische Staat (im konkreten Fall vertreten durch Sie) zur nationalsozialistischen Vergangenheit dieses Landes einnimmt und vor allem auch nach aussen vertritt!<\/p>\n\n\n\n<p><br>Es kann nicht hingenommen werden, da\u00df man Morde bagatellisiert und mit dem Hinweis darauf verharmlost, da\u00df die betreffenden T\u00e4ter in der Nachkriegszeit \u201eeh nette und erfolgreiche Menschen waren\u201c! Das erinnert an S\u00e4tze wie: \u201eaber er hat doch auch die Autobahn gebaut!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><br>Reichel, der in der Publikation <a href=\"https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2020\/11\/DritteFront_ER.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2020\/11\/DritteFront_ER.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDie Dritte Front\u201c (Strasser, Dr. Otto1937)<\/a> \u00fcber sich selbst schreibt, wurde nie zur Verantwortung gezogen und seine wenigen Reisen nach Europa nach dem Krieg hatte er immer Angst vor Gericht gestellt zu werden. Zu Recht:&nbsp;Am 10. M\u00e4rz 1965 debattierte das bundesdeutsche Parlament \u00fcber die Verj\u00e4hrung von Mord, um nationalsozialistisches Unrecht weiter s\u00fchnen zu k\u00f6nnen. Es hatte zuvor eine \u00e4hnliche Debatte 1960 gegeben, danach gab es sie nochmals 1969 und 1979. Diese Debatten \u2013 vor allem 1965 \u2013 f\u00fchrten zur Aufhebung der Verj\u00e4hrung von Mord, deren Frist zuvor 20 Jahre betragen hatte. Der Zeitpunkt 1965 war daher 20 Jahre nach der deutschen Kapitulation vom Mai 1945 logisch. (1) &nbsp;Auch&nbsp;in \u00d6sterreich verj\u00e4hrt Mord nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><br>Reichel \u00fcber sich selbst (2):<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Zitat 1 <\/strong>\u00a0(\u00fcber seine Rolle bei der versuchten Destabilisierung der ersten Republik, Anm.)<br><span style=\"color:#8e3f3f\" class=\"has-inline-color\">&#8222;Ich erinnere mich dabei an die Saalschlachten in Schwechat, wo wir mit 33 Mann 300 Kommunisten, die unsere Versammlung sprengen wollten im Handumdrehen \u00fcberrannten und in die Flucht schlugen. 6 Formationen der Staatsexekutive mussten damals ausr\u00fccken. Wir wurden alle festgenommen und nach Paragraph 5 angeklagt, aber wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. In der Strassenschlacht in Liesing,einem Wiener Vorort, wo es Dutzende Schwerverletzte und einen Toten gab als uns auf dem Marsch zum Versammlungslokal eine nach Hunderten z\u00e4hlende Menge angriff, ging auch zu unseren Gunsten aus. In Wiener Neustadt r\u00e4umten wir mit 18 Mann den Stadtplatz, wo eine johlende Menge unseren Aufmarsch verhindern wollte, und in Krems, St. P\u00f6lten und Neusiedl schlugen wir immer wieder durch unser fanatisch unerschrockenes Auftreten alle St\u00f6rungsversuche roter Elemente nieder. Ich erhielt in dieser Zeit wiederholt Anerkennungen und Belobungen von meinen Vorgesetzten wegen meines Verhaltens in gefahrvollen Augenblicken.Vom Reichsf\u00fchrer bekam ich zu Weihnachten 1931 das SS-Zivilabzeichen, das damals noch Bew\u00e4hrungsabzeichen war, mit einer sehr niederen Nummer 3673 verliehen, und zwar als besondere Auszeichnung. da ich noch nicht die vorgeschriebene Mindestzeit in der SS war.\u201c (S8 u. 9)<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Zitat 2 <\/strong>(\u00fcber seine Rolle bei der\u00a0sogenannten \u201eMachtergreifung\u201c in Braunschweig, Anm.)<br><span style=\"color:#8e3f3f\" class=\"has-inline-color\">\u201eWir hatten auch keine geschulten Kriminalisten und die Polizei verhielt sich zu allem, was wir trieben, ziemlich gleichg\u00fcltig. Auf Kommando von Sturmf\u00fchrer Kleist oder irgend eines anderen Vorgesetzten mussten die Gefangenen Hunderte von Kniebeugen machen, bis sie umfielen. Wenn sie aus Schw\u00e4che zusammenbrachen, so schlug Kleist mit einem St\u00fcck Wagendeichsel auf sie los, bis sie wieder st\u00f6hnend aufstanden. Ich sah zu, wie meine Kameraden wehrlosen Leuten Z\u00e4hne und Augen ausschlugen oder ihnen Kolbenhiebe in den Unterleib versetzten. Auf Befehl von Sturmf\u00fchrer Kleist musste einmal eine Reihe von Gefangenen einer nach dem andern Boxhandschuhe anziehen und gegen einen SS-Mann, der Amateurboxer war, eine Runde boxen. Dieser schlug sie, nachdem er zuerst mit ihnen wie die Katze mit der Maus gespielt hatte, k.o., bis sie st\u00f6hnend und in \u00dcbelkeit ausbrechend am Boden lagen. In dieser Zeit pr\u00fcgelte die Braunschweiger SS Dutzende Menschen mit Ochsenziemern und Karabinerkolben zu Tode. Jeder Frage bei den Verh\u00f6ren wurde mit Gummikn\u00fcppelhieben Nachdruck verliehen und so wurden die unsinnigsten Aussagen erpresst, die vollkommen unkontrollierbar waren. Wir merkten manchmal erst nach Tagen, wenn ein Gefangener, der bewusstlos in eine Ecke geworfen worden war, starb. Wenn sich einer als offensichtlich unschuldig erwies, was bei unseren Verh\u00f6ren aber sehr selten vorkam, so wurde er vom Sanit\u00e4ter verarztet und dann mit Erschie\u00dfung bedroht, falls er von den Misshandlungen erz\u00e4hlen sollte. Ein alter Mann wurde von ein paar Leuten so lange geschlagen, bis er geistesgest\u00f6rt war, dann stie\u00dfen sie ihn, einen aufgespannten Damenregenschirm in der Hand, auf die Stra\u00dfe, wo er lallend stehen blieb, bis sich mitleidige Passanten seiner annahmen.\u201c<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Zitat 3<\/strong> (zwei Beispiele von Reichel als Auftragsm\u00f6rder der SS neben einigen Weiteren)<br><span style=\"color:#8e3f3f\" class=\"has-inline-color\">Ein Mann von der Gestapo ausser dem Chauffeur fuhr nun mit und ging vorher In die Wohnung voraus, um fetzustellen, ob der Gesuchte zu Hause sei. Um das unauff\u00e4llig zu\u00a0erfahren, hatten sie Presseausweise oder Handelslegitimationen mit. Wir fuhren nach Schwabing, so viel ich weiss, in die Ellsabethstrasse. Ich ging mit meinem Begleiter die Treppe hinauf bis zu der betreffenden t\u00fcr, an der der Name Salzmann oder Selzmann stand. Mein Begleiter sagte, ich solle sofort schiessen, wenn jemand herauskomme und er mir ein Zeichen gebe. Ich stieg ein paar Trep\u00adpen h\u00f6her, dr\u00e4ngte mich ganz gegen die Wand. wartete mlt ent\u00adsicherter Pistole im Anschlag, bis auf unser L\u00e4uten die T\u00fcr ge\u00f6ffnet wurde. Ein \u00e4lterer, dunkler Herr trat heraus. Mein Beglei\u00adter sagte nur \u201eder!\u201c \u00a0und machte eine Handbewegung. Ich schoss zweimal. Der Mann brach st\u00f6hnend zusammen und machte emen Versuch, sich aufaurichten; aber ich sprang die paar Stufen hin\u00adunter und schoss ihm aus n\u00e4chster N\u00e4he durch die Schl\u00e4fe. Mein Begleiter rannte schon die Treppe hinunter und ich lief hinter ihm her, als eine schreiende Frau und zwei Kinder aus der T\u00fcr kamen, sich \u00fcber den Toten st\u00fcrzten und mir \u201eM\u00f6rder, M\u00f6rder\u201c nachschrien\u201c (S19)<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><br>Zitat 4 \u00a0(zwei Beispiele von Reichel als Auftragsm\u00f6rder der SS neben einigen Weiteren)<br><span style=\"color:#8e3f3f\" class=\"has-inline-color\">Die n\u00e4chste Fahrt ging wieder nach Schwabing. Mein Begleiter (jedesmal ein anderer) sagte mir nur den Namen \u201aIng. Ecker\u2018, soviel ich mich erinnern kann, und \u201asofort schiess\u00dfen\u2018. Ich ging allein in die Wohnung hinauf und l\u00e4utete. Ein M\u00e4dchen \u00f6ffnete und wies auf meine Frage auf eine Zimmert\u00fcr. Ich stiess\u00df sie mit dem Fuss\u00df auf und sah mir gegen\u00fcber hinter einem Schreibtisch einen Mann aufspringen. Ich schrie \u201aH\u00e4nde hoch!\u2018. Aber im selben Augenblick schoss er schon zweimal auf mich, aber die Kugeln gingen neben mir in den T\u00fcrrahmen und die Wand. Ich schoss mehrere Male und traf ihn ausgezeichnet in den Bauch. Er fiel vorn\u00fcber und klammerte sich mit der rechten Hand, der die Pistole entfallen war, an die Tischplatte. Nun schoss ich ihm aus n\u00e4chster N\u00e4he durch den Kopf, er fiel in den Stuhl zur\u00fcck und dann zu Boden. Als ich zur T\u00fcr hinaus wollte, warf sich mir eine Frau entgegen, und es gelang mir nur mit M\u00fche, mich von ihr loszureiss\u00dfen und die Treppe hinab ins Auto zu kommen.\u00a0\u00a0(S20)<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Frau Botschafter, ich wende mich an Sie nicht pers\u00f6nlich, sondern als Vertreterin der Republik \u00d6sterreich! Nicht zuletzt j\u00fcngste Geschehnisse haben aufgezeigt, wie aktuell das Thema des politischen Mordes durch Nazis bis heute geblieben ist. Ich erw\u00e4hne hier nur die NSU Morde sowie die Ermordung des deutschen PolitikersWalter L\u00fcbcke!&nbsp;Bedenken Sie bitte auch das Signal f\u00fcr Lateinamerika!<\/p>\n\n\n\n<p><br>Es geht hier nicht um&nbsp;\u201eSchnee von Gestern\u201c sondern um eine Klare geschichtspolitische Haltung der Republik gegen\u00fcber der Vergangenheit in diesem Land!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bitte Sie um eine Stellungnahme und vor allem um Information dar\u00fcber, wie Sie gedenken, diesen Schaden wieder gut zu machen!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>mit freundlichen Gr\u00fcssen<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.derschmidt.com\">Friedemann Derschmidt<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-purple-color\">Am 16.10.2020 um 01:37 schrieb&nbsp;Marianne FELDMANN:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Sehr geehrter Herr Derschmidt, <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">ich habe keineswegs versucht, Sie als Familienchronisten nicht wertzusch\u00e4tzen.&nbsp; Ich kann Ihnen gerne ein Exemplar unseres 2019 ver\u00f6ffentlilchten Buchs zukommen lassen, in dem &nbsp;Kapitel sich genau mit den Drei\u00dfiger Jahren &nbsp;und den Schicksalen \u00f6sterreichischer Emigranten &nbsp;besch\u00e4ftigen und vor allem auf die Bewegung Freies \u00d6sterreich eingehen, die in Kolumbien sehr aktiv war.&nbsp; Und nat\u00fcrlich ist die Vergangenheit von Gerhard (Erasmus) Reichel-Dolmatoff nicht zu leugnen.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Mir liegt es nur daran, dass auch seine mehr als 50 Jahre Arbeit f\u00fcr die Anthropologie in Kolumbien, gemeinsam mit seiner Frau Alicia Dussan, die heute eine Ehrung der Universidad de los Andes erhielt und im November 100 Jahre wird, dar\u00fcber nicht vergessen werden sollte. Reichel hat sich von seiner Vergangenheit distanciert; dies wurde mir unter anderem vor Jahren von Hans Ungar, einem bereits verstorbenen Auslands\u00f6sterreicher und seiner noch lebenden Frau Lilly Ungar geborene Bleier, die beide Wiener j\u00fcdischen Familien entstammten versichert, die ersch\u00fcttert waren, als sie von der Schilderung Reichels erfuhren, und meinten, sie h\u00e4tten von ihm einen vollkommen anderen Eindruck gehabt.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Reichel hat sich in Kolumbien f\u00fcr eine \u201eAntropolog\u00eda de Rescate\u201c der Indigenen eingesetzt, zu einem Zeitpunkt als diese hier ganz im Sinne der Naziideologie als \u201eminderwertig\u201c eingestuft wurden, und damit dazu beigetragen, dass indigene Kultur gew\u00fcrdigt wurde. Er war auch Berater des kolumbianischen Pr\u00e4sidenten Gaviria, als die kolumbianische Verfassung verabschiedet wurde, die den Indigenen u.a. das Recht auf Land und eigene Gerichtsbarkeit verbriefte.&nbsp;Niemand will hier etwas sch\u00f6nreden und das w\u00e4re auch absolut unangebracht.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Mit&nbsp; besten Gr\u00fc\u00dfen&nbsp;&nbsp;&nbsp;<strong>\u00d6sterreichische Botschaft Bogot\u00e1<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\"><strong>Mag. Marianne FELDMANN<\/strong> Botschafterin<\/span>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-purple-color\">Am&nbsp;15.10.2020 11:14 schrieb <a href=\"https:\/\/www.derschmidt.com\">Friedemann DERSCHMIDT<\/a><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Betreff:<\/strong>&nbsp;offener Brief: Antwort an \u00f6sterr. Botschafterin in Kolumbien&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Frau Botschafterin Feldmann,<\/p>\n\n\n\n<p>vielen Dank f\u00fcr Ihren Brief (email)! Dieser hat mich allerdings schwer ersch\u00fcttert. Also erstens bin ich nicht, wie Sie anzunehmen scheinen, irgend so ein Familienchronist, den es zu beschwichtigen gilt, sondern ich besch\u00e4ftige mich seit Jahrzehnten sowohl k\u00fcnstlerisch vor allem aber auch akademisch mit der Frage, wie sehr sich die \u201eErbschaften der Vergangenheit\u201c in unsere heutige(n) Gesellschafte(n) auswirken. In meiner Funktion an der Universit\u00e4t Akademie der bildenden K\u00fcnste habe ich zu diesem Themenkomplex nicht nur zwei Forschungsprojekte erfolgreich beim \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfond eingereicht, durchgef\u00fchrt und geleitet. Viele meiner Projekte sind sowohl vom Nationalfond als auch dem Zukunftsfond der Republik \u00d6sterreich unterst\u00fctzt worden und ich habe Projekte mit der Israelischen Botschaft in Wien sowie vielz\u00e4hligen Institutionen in Israel verwirklicht. Ich arbeite seit Jahrzehnten mit Holocaust\u00fcberlebenden und Verfolgten des NS Regimes und Sie werden mein Buch sowohl in den Gedenkst\u00e4tten &#8222;Haus der Wannsee Konferenz\u201c oder \u201eObersalzberg\u201c finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Buch \u201eSag Du es Deinem Kinde &#8211; Nationalsozialismus in der eigenen Familie\u201c erscheint diese Tage in der zweiten Auflage bei L\u00f6cker. Darin k\u00f6nnen Sie in einem eigenen Kapitel die bis 2012 der \u00d6ffentlichkeit vorenthaltene Geschichte des Herrn Erasmus (Gerardo) Reichel Dolmattoff nachlesen. Gerhard hat der \u00fcbrigens nie geheissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 2012 wurde die Vergangenheit Reichel Dolmatoffs beim panel: &#8222;<a href=\"https:\/\/ica2012.univie.ac.at\/index.php?id=116625&amp;no_cache=1&amp;L=12&amp;tx_univietablebrowser_pi1%5Bbackpid%5D=116623&amp;tx_univietablebrowser_pi1%5Bfkey%5D=821\" class=\"\">Gerardo Reichel-Dolmatoff (Salzburgo 1912- Bogota 1994) : El legado de un Americanista Austro-Colombiano<\/a>.\u201c von Prof. Augusto Oyuela-Caycedo im Rahmen des&nbsp;<a href=\"https:\/\/ica2012.univie.ac.at\/index.php?id=68477&amp;L=12\" class=\"\">54 CONGRESO INTERNACIONAL DE&nbsp;AMERICANISTAS &#8222;CONSTRUYENDO DI\u00c1LOGOS EN LAS AM\u00c9RICAS<\/a>&nbsp;erstmals \u00f6ffentlich thematisiert und ich bin fassungslos, wie es der \u00d6sterreichischen Botschaft in Bogota gelingen kann 7 Jahre nachdem die Vergangenheit Reichels international von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/mundo\/movil\/noticias\/2012\/08\/120814_colombia_antropologia_nazi_reichel_dolmatoff_aw\" class=\"\">BBC-Mundo<\/a>&nbsp;bis bis zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.latimes.com\/world\/la-xpm-2012-nov-13-la-fg-colombia-nazi-20121114-story.html\" class=\"\">Los Angeles Times<\/a>&nbsp;bekannt geworden ist, eine derart geschichtsklitternde Haltung einzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Position, wie diese ist unhaltbar! Zum Gl\u00fcck hat sich die Republik \u00d6sterreich schon lange &#8211; genau genommen in den letzten 40 Jahren von der Politik des Sch\u00f6n-Redens und Verharmlosens verabschiedet und wenn Sie den aktuellen Diskursen folgen, haben S\u00e4tze wie \u201e(aber ansonsten hat) der Mann fast 60 Jahre in Kolumbien wirklich vorbildliche Arbeit geleistet\u201c aber \u00fcberhaupt keinen Platz. Das w\u00e4re ja fast so als h\u00e4tte man gesagt &#8222;ein Ricardo Klement (Eichmann) oder ein Helmut Gregor (Mengele) waren ja nach dem Krieg eh angenehme Zeitgenossen und haben ja auch durchaus was geleistet. Das bisserl Morden k\u00f6nnen wir ihnen schon nachsehen, oder?\u201c Selbstverst\u00e4ndlich ist Reichel Dolmatoff im Vergleich zu diesen beiden eine kleine Nummer gewesen, aber SS M\u00e4nner im KZ ausgebildet und eine Hand von Menschen ermordet hat er alle mal und Mord verj\u00e4hrt nicht! Auch noch so tolle Leistungen in einer \u201eZeit danach\u201c \u00e4ndern da leider gar nichts nicht einmal, wenn er sich f\u00fcr die Indigenen eingesetzt hat (im \u00fcbrigen nur die &#8222;reinrassigen&#8220; wie es scheint)! Dar\u00fcber hinaus w\u00e4re ihm auch noch vorzuwerfen, sein Leben lang geschwiegen zu haben. Wieso wohl?<\/p>\n\n\n\n<p>Als Botschafterin in einem lateinamerikanischen Land sind Ihnen mit Sicherheit die vielen unseligen Verflechtungen zwischen Nationalsozialismus \/ und ehemaligen Nazis mit dem Kontinent und ihren verschiedenen Staaten bekannt, die Auswirkungen derselben bis hin zu den vielen sp\u00e4teren m\u00f6rderischen Regimen (vgl.&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Uki_Go%C3%B1i\" class=\"\">Uki Go\u00f1i<\/a>&nbsp;\u00fcber das sogenannte Odessa Projekt und die Rattenlinie um nur eines zu nennen).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich finde es unzumutbar das eine Vertretung der Republik \u00d6sterreich im Jahr 2019\/20 eine derartige Position einnimmt!<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich leite Ihnen hiermit nochmals das Dokument <a href=\"https:\/\/www.twofamilyarchives.com\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2020\/11\/DritteFront_ER.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eGest\u00e4ndnisse eines Gestapom\u00f6rders\u201c<\/a> zu, welches 1937 in der Publikation \u201eDie Dritte Front\u201c in Prag erschienen ist. Sie k\u00f6nnen diese auch&nbsp;in der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek finden. Ein Buch von Augusto Oyuela-Caycedo \u00fcber Reichel Dolmatoff und ebendiese \u201eGest\u00e4ndnisse&#8220; steht \u00fcbrigens kurz vor der Ver\u00f6ffentlichung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bitte Sie um eine Stellungnahme und vor allem um Information dar\u00fcber, wie Sie gedenken, diesen Schaden wieder gut zu machen!&nbsp;mit freundlichen Gr\u00fcssenFriedemann Derschmidt&nbsp;&nbsp;PS: und ja, \u00fcber eine Kopie Ihrer Publikation w\u00fcrde ich mich sehr freuen. Bitte an: Mag. <a href=\"https:\/\/www.derschmidt.com\">Friedemann Derschmidt<\/a>; Krieglergasse 6\/11 1030 Wien \u00d6sterreich<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-purple-color\">Am 11.10.2020 um 17:54 schrieb&nbsp;Marianne FELDMANN<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Sehr geehrter Herr Derschmidt, <\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">mein Kollege Christoph Meran hat mir Ihren Kontakt gegeben. Ich h\u00f6re, Sie besch\u00e4ftigen sich mit Ihrer Familiengeschichte und es gibt eine Verwandtschaft mit der Familie Reichel.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Wir haben hier Ende des vergangengen Jahres ein Buch \u00fcber \u00d6sterreicher in Kolumbien herausgegeben, und darin sind u.a. 2 Kapitel \u00fcber Gerhard Reichel bezw. Gerardo Reichel-Dolmatoff. Ich weiss von dem ersch\u00fctternden Dokument von Erasmus Reichel, man muss aber auch anerkennen, dass der Mann fast 60 Jahre in Kolumbien wirklich vorbildliche Arbeit geleistet hat.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Falls es Sie interessiert, kann ich Ihnen Gerne ein Exemplar des Buchs zukommen lassen, bitte um Information, an welche Adresse.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Mit besten Gr\u00fc\u00dfen&nbsp;&nbsp;<strong>\u00d6sterreichische Botschaft Bogot\u00e1<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\"><strong>Mag. Marianne FELDMANN<\/strong> Botschafterin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1.11.2020 um 18:00 schrieb&nbsp;Marianne FELDMANN: Sehr geehrter Herr Derschmidt, ich stimme Ihren \u00dcberlegungen vollkommen bei. Meine Antwort hat sich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pdXCWQ-FT","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2597"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2597\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2603,"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2597\/revisions\/2603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.derschmidt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}