Horn, am 14.06.2009

permanent breakfast – das immerwährende Frühstück im öffentlichen Raum – begleitet die Landesausstellung „ÖSTERREICH. TESCHECHIEN. Geteilt – getrennt – vereint.“

An den Ausstellungsstandorten Horn Raabs Telč wird jeweils zum öffentlichen Frühstücksevent eingeladen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Permanent breakfast schafft so einen öffentlichen Rahmen um wichtige Ziele der Ausstellung über einen Besuch hinausgehend zu verhandeln: Wir eröffnen Dialogforen um alte Denkmuster aufzubrechen, Differenzen und Gemeinsamkeiten zu verhandeln und die miteinander verwobenen die Geschichten der beiden Länder wahrzunehmen.

Permanent Breakfast in Horn mit Gipsy Radio: Brane und Pepe Nikolic, Boro Mercedes, Bako und Milos, Osama Zatar, Jasmin Avissar, Karin Schneider, Hörmi und vielen mehr am 14.6.2009

Permanent breakfast – Geschichte

Am Morgen des 1. Mai 1996 begann eine Künstlergruppe um

Friedemann Derschmidt, öffentliche Räume zu befrühstücken

und hörte nicht mehr auf damit. „permanent breakfast“ ist ein Kettenspiel: Wer zu einem der Frühstücke geladen ist, nimmt den Faden auf und richtet seinerseits ein öffentliches Frühstück aus. Zentral dabei: Alle, die vorübergehen, sind als Gäste geladen, auch wenn sie zunächst „Fremde“ sind.

„permanent breakfast“ entwickelte sich so in den letzten 13 Jahren zu einer weltweit verwendeten Methode, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Dialog über Grenzen hinweg zu führen. Bis dato fanden hunderte öffentliche Frühstücke rund um den ganzen Globus statt.

Grenzauflösungen und neue Nachbarn

2002, im Rahmen der EU Erweiterung, befrühstückten wir die sich in Auflösung befindende Grenze zwischen Österreich und Tschechien im Zick-Zack, da sich „permanent breakfast“ als brauchbares Werkzeug entpuppte, neue Nachbarschaften zu etablieren: Wir waren zwar die Gäste in Tschechien, brachten aber als Gastgeschenk einen Frühstückstisch mit, an dem die Einheimischen unsere Gäste waren.

Und auch heuer, 20 Jahre nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ und im Dialog mit der NÖ Landesausstellung „ÖSTERREICH. TESCHECHIEN. Geteilt – getrennt – vereint.“, stiften wir mit drei „kick-off“ Frühstücken an den Ausstellungsorten tschechische und österreichische Gemeinden an, sich gegenseitig mit Frühstückstischen zu besuchen: Die Gäste bewirten die Gastgeber und die Gastgeber nehmen an einer öffentlichen Tafel platz, die von den „Fremden“ auf ihrem Hauptplatz für das gemeinsame Mahl errichtet wurde.

Die ungewöhnlichen Formulierungen zeigen bereits: Die Geschichte, die hier erzählt wird ist nicht (nur) eine Liebesgeschichte oder eine die Nachbarn nach so langer Zeit nun endlich in Freude zusammenbringt, sondern (auch) eine von Misstrauen, offenen Wunden und Widersprüchen. Beides – der Wunsch sich kennen zu lernen und das gemeinsame dieser Region herauszustreichen und die Differenzen sollen an den Frühstückstischen Platz finden und hier verhandelt werden können.

Die Ausstellung nach Draußen tragen

Die Themen der Ausstellung könnten und sollen für die Gespräche bei „Kipferl und Kaffee“ eine gute Anregung sein oder vice versa – diese könnten Lust auf Geschichtsforschung in der Ausstellung machen: Unsere Frühstückstafeln verlängern den Ausstellungsraum in den öffentlichen Raum hinaus und schaffen ein Forum, Ausstellungsinhalte mit jenen unserer unterschiedlichen Lebenswelten zu verknüpfen.

Tischskulpturen und kick-off Frühstücke an den Ausstellungsorten

An den drei Ausstellungsorten werden fixe „Tischskulpturen“ des Bildhauers Osama Zatar in die Landschaft gestellt, die zum Verweilen, diskutieren oder Ausstellungskatalog-Lesen einladen.

Eröffnet werden die Kunstwerke mit jeweils einem großen „kick-off“ Frühstücksevent vor Ort, das unter ein bestimmtes aktuelles Motto gestellt wird. Das Frühstücksmotto verbindet unsere Gegenwart mit der Ausstellung, das Drinnen mit dem Draußen und lädt so zu Auseinandersetzung und Widerspruch ein.

Die Gemeinden der Region werden sich an der Frühstücksaktion beteiligen und zu unterschiedlichen Zeiten kleinere Früshstücksaktionen durchführen.

Die Events

An jedem Ausstellungsort wird auf dem Frühstückstisch das Thema der Ausstellung mit einer für uns zentralen Fragen des Alltagslebens verknüpft. Wie der Zuckerstreuer können diese Themen rund um den Tisch wandern und kontrovers verhandelt werden:

Horn Frühstücksevent am 14.06.2009 ab 11:00h Hauptplatz unter dem Motto:

„Geschichte und Gegenwart: Roma in Tschechien und Österreich“

Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von der gemeinsamen Geschichte in der KuK Zeit über die Verbrechen des Nationalsozialismus bis zur Zeit des „Kalten Krieges“ und zum Fall des „Eisernen Vorhanges“. Wo stehen wir heute? Das wäre am besten daran zu messen, wie wir jeweils mit Minderheiten umgehen. Roma und Sinti, die größte Minderheit in der EU, sind heute nicht anders als damals mit rassistischen Übergriffen und schwierigsten Lebensbedingungen konfrontiert. Gerade in den letzten Monaten fanden gewalttätige rassistische Attacken und Pogrome gegen Roma und Sinti statt. Wir spannen einen weiten Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart und benutzen die Öffentlichkeit dieser Ausstellung und unserer Frühstückstafel um dieses Thema auf den Speiseplan zu setzen.

In Kooperation mit Gipsy-info.

Raabs

Frühstücksevent am 12.06.2009 ab 11:00h am Zusammenfluss der mährischen und der deutschen Thaya unter dem Motto „Die Grenze: Der Zweifel an ihrer Natürlichkeit“.

Samen von Pflanzen, Vögel und andere Lebewesen sind jene, die immer schon und allen nationalistischen Vorkehrungen zum Trotz sich grenzenlos fortbewegten. Dort wo damals der „Eisene Vorhang“ und sein „Niemandsland“ war, ist heute (gerade noch) ein EU-weites Biotop. Da sich Natur nie um Eingrenzungen kümmert, ist Naturschutz das grenzüberschreitende Anliegen schlecht hin. Es stellt sich die dringende Frage, wie es um kleine, nachhaltige und ökologische Landwirtschaft bestellt ist – im grenzenlosen Europa. In Raabs frühstücken wir mit Biobauern und alternativen Betrieben der Region, um diese Frage zu verhandeln.

Highlight: Kunstaktion „WurzelWelt“ von Abbé Libansky